Die verschwundene Luna
Am Jahrestag unserer Paarung hatte ich die Beine um meinen Alpha Adrian geschlungen, während wir uns in einem tiefen Kuss verloren.
Meine Fingerspitzen streiften die versteckte Tasche meines Seidenkleides, und meine Hand umklammerte den Schwangerschaftstest, den ich dort verborgen hielt.
Ich spürte das zarte Flattern neuen Lebens in mir und plante, ihm diese Überraschung als perfekten Abschluss unseres Abends zu schenken.
In diesem Moment sprach Adrians Beta Ethan mit leiser, neckischer Stimme – in der Alten Sprache.
„Alpha, diese kleine Schwägerin von dir ... die frisch gereifte Wölfin Zoe. Wie hat sie geschmeckt?“
Adrians tiefes, anzügliches Schmunzeln drang an mein Ohr, leise, doch schneidend klar.
Er antwortete in derselben alten Sprache: „Kennst du eine frisch gereifte Chilischote? Heiß, mit ordentlich Biss.“
Seine Hand strich noch immer über meine Taille, doch sein Blick war bereits woanders.
„Halt es einfach geheim. Wenn meine Luna davon erfährt, ist alles vorbei.“
Die anderen Betas lachten wissend auf und hoben ihre Gläser – ein stummes Versprechen, sein Geheimnis zu wahren.
Doch eine eisige Kälte durchströmte mich, und meine innere Wölfin erstarrte, als wäre sie gestorben.
Er wusste nicht, dass ich für meine Forschung zu Werwolf-Traumata die Alte Sprache studiert hatte. Ich verstand jedes einzelne Wort.
Ich hielt die Tränen zurück und zwang mich, ungerührt zu wirken, während ich die Fassung bewahrte, die man von einer Luna erwartete.
Statt ihn zur Rede zu stellen, sandte ich eine magisch abgeschirmte Nachricht an Älteste Slone von der Vereinigung der Werwolf-Heiler und nahm die Einladung an, die sie mir ausgesprochen hatte.
In drei Tagen würde ich mich einem geschützten Werwolf-Rehabilitationsprogramm anschließen – als neue leitende Therapeutin – und für immer aus Adrians Welt verschwinden.